Hellas neuer Held

 

Auf Artemis Fährte streifte ich

 

durch  Rosmarin und Cystus steil hinan,

 

der wilden Göttin nachstrebend im Fieberwahn.

 

Der Sonnenwagen führte mich, 

 

in seinen Ketten klirrte Pan,

 

zu einem alten Ziegenstall

 

am Rande des Himmels im Donnerhall.

 

Dort grüßte Sysiphos mit müder Hand und voller Sorgen.

 

er war grad ohne Stein und wies den Weg mir

 

zum Olymp, dem Berg der Berge, hoch und kühl geborgen.

 

 

 

Hier hauste Zeus in seinem Wolkenschloss.

 

er saß am Monitor und raufte sich den Bart.

 

Maria Callas summte leise Melodien auf seinem Schoss,

 

als seine Muse mied sie Politik, liebte Theater anderer Art.

 

 

 

Die spinnen, die Athener, wetterte der Wolkengott

 

und unumwunden blitzte es und grollend stürzten Felsen bis ins Meer.

 

Dort fuhr Held Tsipras, von der Sirene Merkel an den Mast gebunden.

 

Sein rotes Segel flatterte im Gegenwind und Kurs zu halten fiel ihm schwer.

 

 

 

Mit seiner Bark Syriza jagte er den Bankenstier. 

 

des gold’ne Hörner  stahlen Frau Europa, Hellas schönste Zier,

 

in Brüsseler Bordells gelockt mit Geld und Dosenbier,

 

dorthin wo Schäubles Troika haust, die Stadthalter der Gier.

 

 

 

Der Stier ist eine Fälschung! fluchte Zeus am Monitor,

 

fing an zu rasen: Das bin ich nicht, oh Held, hab acht!

 

Sodann ließ Zeus sein Volk am Ufer trotzig westwärts blasen

 

und rote Segel blähten sich in blitzerhellter Nacht

 

 

 

Held Tsipras spürte Rückenwind und band sich los vom Mast.

 

doch Irrlichter am Ufer von Dysgarchen schlau entfacht,

 

schürten an Bord durchtrieben Furcht und Zweifel, falsche Hast,

 

die Bark Syriza kam ins Schlingern und hat bald kaum noch Fahrt gemacht.

 

 

 

Stopf dir die Ohren zu, mein Held, sei schlau und steh zu deinem Wort,

 

fahr nach Piräus, rief Gott Zeus, find eine Crew die zu dir steht!

 

Zu viele feige Lotsen sind an Bord.

 

Sie halten für den rechten Kurs wohin der Wind sie gerade weht!

 

 

 

Zeus sprach vom Kreuzen hart am Wind bei steifen Brisen.  

 

Held Tsipras holte alle Schotten dicht, peilte sein Ziel an sehr genau.

 

Klug fiel er etwas ab, wenn allzu hart die Böen bliesen.

 

Vivat Europa, brüllte Zeus, die schöne Frau!

 

 

 

Europa du bist unser Kind, sang man auf allen Inseln und in jeder Stadt

 

Das ganze Volk blies kräftig westwärts in das rote Tuch.

 

Hol unsre Ehre wieder, pack den Stier dort, wo er seine Hörner hat.

 

Wir meutern nicht. Wir schaffen es. Wir sind genug!

 

 

 

 

 

Epilog

 

 

 

In ihres Gottes Mantelfalten

 

hörten am 20. September fromme Mönche dieses Lied im Traum. 

 

Bis Pan sie weckte und sie warfen ihre alten

 

Mopeds an, ihr glaubt es kaum:

 

Von Zeus getrieben wurden sie Paneuropäer

 

und knatterten zur Urne, wählten Syriza.

 

Held Tsipras lächelte derweil am Ruder. 

 

Er spürte neuen Wind, sein Ziel kam näher:

 

Hab nur Geduld Europa, altes Luder,

 

ja, du bleibst unser und wir sind bald da.