Intransparente Studien mit Covid-19 Medikamenten

 

 

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Abstract:

Ziele:

Auf der Grundlage von In-vitro- oder frühen klinischen Befunden werden mehrere Medikamente zur Behandlung der Pandemie der Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) neu eingesetzt. Da diese Medikamente in verschiedenen Schemata und Dosierungen eingesetzt werden, ist es wichtig, eine Synthese der vorhandenen Sicherheitsdaten aus klinischen Studien zu ermöglichen. Die Verfügbarkeit von Sicherheitsinformationen wird jedoch durch einen Mangel an rechtzeitiger Berichterstattung über die Ergebnisse klinischer Studien in öffentlichen Registern oder durch akademische Veröffentlichungen eingeschränkt. Unser Ziel war es, die Wissenslücke bei den Sicherheitsdaten zu analysieren, indem wir die Anzahl fehlender klinischer Studienergebnisse für Arzneimittel quantifizierten, die möglicherweise für COVID-19 wiederverwendet werden.

 

Planung:

ClinicalTrials.gov wurde nach 19 Medikamenten durchsucht, die als potenzielle Behandlungsmöglichkeiten für COVID-19 identifiziert wurden. Relevante klinische Studien für jede frühere Indikation wurden nach Kennung (NCT-Nummer) aufgelistet und auf rechtzeitige Ergebnisberichterstattung (innerhalb von 395 Tagen nach dem primären Abschlussdatum) überprüft. Zusätzlich wurden PubMed und Google Scholar anhand der NCT-Nummer durchsucht, um Veröffentlichungen von Ergebnissen zu identifizieren, die nicht im Register aufgeführt sind. Eine zweite, verblindete Suche in 10% der Studien wurde durchgeführt, um die Übereinstimmung der Gutachter zu bewerten.

 

Die Ergebnisse:

Von 3754 abgeschlossenen Studien wurden 1516 (40,4%) nicht auf ClinicalTrials.gov oder in der akademischen Literatur veröffentlicht. 1172 (31,2%) abgeschlossene Studien hatten tabellarische Ergebnisse auf ClinicalTrials.gov. Weitere 1066 (28,4%) abgeschlossene Studien hatten Ergebnisse aus der Literaturrecherche, meldeten aber keine Ergebnisse auf ClinicalTrials.gov.

Zu den wichtigsten Medikamenten, bei denen die Ergebnisse klinischer Studien fehlten, gehören Hydroxychloroquin (37,0% abgeschlossene Studien wurden nicht gemeldet), Favipiravir (77,8%) und Lopinavir (40,5%).

 

Schlussfolgerung

: Es besteht eine wichtige Evidenzlücke für die Sicherheit von Medikamenten, die für COVID-19 neu eingesetzt werden. Diese Unsicherheit könnte während der Pandemie zu einer großen Belastung durch zusätzliche Morbidität und Mortalität führen. Wir raten zur Vorsicht bei der experimentellen Anwendung von Arzneimitteln bei nicht schwerwiegenden Erkrankungen und fordern die Sponsoren klinischer Studien dringend auf, fehlende Ergebnisse retrospektiv zu melden.